Im Mai 2025 wurde in einem kleinen Gebiet in Texas abgestimmt: Sollte daraus eine Stadt werden? Das Ergebnis: 212 Stimmen dafür, sechs dagegen.

Nur 283 Menschen waren wahlberechtigt. Mehr als drei von fünf arbeiteten für SpaceX; zugleich gehörten dem Unternehmen und seinen Beschäftigten 237 der 247 Wohngrundstücke in dem Gebiet. Der erste Bürgermeister war ein Vizepräsident von SpaceX. Die neue Stadt erhielt den Namen Starbase. Die Wahlergebnisse, eine Analyse der Wahlberechtigten und die Angaben zu den Eigentumsverhältnissen sind öffentlich zugänglich.

Elon Musk hatte nicht die Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten ausgerufen. Das musste er auch gar nicht. Starbase blieb Teil von Texas. Doch die Bewohner hatten eine Stadtverwaltung geschaffen, deren Befugnisse weit über die eines privaten Grundstückseigentümers hinausgingen.

Was aber, wenn ein Milliardär weitergehen möchte? Eine Insel kaufen, Steuern festlegen, das Wirtschaftsrecht selbst gestalten, ein Gericht einrichten, vielleicht sogar einen neuen Staat ausrufen? Scheitert das am Geld oder an etwas ganz anderem?

Kurz gesagt: Ein Milliardär kann Land kaufen, unter Umständen eine Stadt gründen oder für ein Gebiet weitreichende Autonomierechte aushandeln. Doch mit dem Kauf einer Insel erwirbt man keine staatliche Souveränität. Interessanter ist die Frage, wie weit ein privates Vorhaben gehen kann, bevor Staat, Investoren und Bewohner darüber streiten, wer letztlich entscheiden darf.

Wer eine Insel kauft, darf dort auch die Gesetze bestimmen?

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen jeden Quadratmeter einer Insel, der bislang in Privatbesitz war. Sämtliche Eigentumsurkunden lauten auf Ihren Namen. Dürfen Sie nun die Einkommensteuer abschaffen, Reisepässe ausstellen und der Regierung sagen, sie solle sich heraushalten?

Nein. Ein Kaufvertrag überträgt Eigentum, aber keine Gesetzgebungsgewalt. Die Insel bleibt unter der Hoheitsgewalt des Staates, zu dem sie gehört. Dessen Strafrecht, Gerichte und Grenzen verschwinden nicht mit dem Eigentümerwechsel.

Mit diesem Staat können Sie allerdings verhandeln. Er könnte eine Sonderwirtschaftszone einrichten, bestimmte Verwaltungsbefugnisse übertragen oder besondere Regeln für das Wirtschaftsrecht zulassen. Solche Vereinbarungen können sehr weit reichen. Die rechtliche Grundlage dafür schafft aber weiterhin der Staat, nicht der Kaufvertrag.

Noch ein Problem kommt hinzu. Nehmen wir an, einige Familien leben seit Generationen auf der Insel und wollen nicht verkaufen. Gibt Ihnen der Besitz des übrigen Landes das Recht, über diese Menschen zu bestimmen? Beim ehrgeizigsten der heutigen Experimente wird uns diese Frage wieder begegnen.

Starbase: eine Firmenstadt, kein unabhängiger Staat

SpaceX fand einen Weg, der keine Änderung der amerikanischen Verfassungsordnung erforderte. Es genügte, Grundstücke zu erwerben, einen Raketenstartplatz zu bauen, Beschäftigte anzuziehen und anschließend das normale gesetzliche Verfahren zur Gemeindegründung zu nutzen. So entstand Starbase, eine Stadt, in der die Interessen des Unternehmens ungewöhnlich viel Gewicht haben. Die Stadtverwaltung gehört dem Unternehmen dadurch aber nicht.

Vor den Raketen war Boca Chica eine kleine Küstensiedlung. 2019 sagte die Anwohnerin Maria Pointer der Los Angeles Times, sie sei davon ausgegangen, bis an ihr Lebensende dort zu wohnen. Mit der Ausweitung seines Betriebs kaufte SpaceX immer mehr Häuser auf. Schließlich zogen Maria Pointer und ihr Mann weg.

Bis zur Abstimmung 2025 hatte sich das Gebiet grundlegend verändert. Mehr als drei Fünftel der 283 Wahlberechtigten arbeiteten für SpaceX; wie die Einzelnen abgestimmt haben, lässt sich daraus nicht ableiten. Auch die drei ohne Gegenkandidaten gewählten Kommunalvertreter, Bürgermeister Bobby Peden sowie die Ratsmitglieder Jordan Buss und Jenna Petrzelka, waren bei SpaceX beschäftigt oder hatten dort gearbeitet. Die neue Gemeinde übernahm nun eigene öffentliche Aufgaben.

Ein handfester Vorteil betraf die Zufahrt zum Startgelände. Aufgrund eines texanischen Gesetzes von 2025 und einer seit Dezember 2025 geltenden Anordnung darf Starbase bei Raketenstarts bestimmte Straßen und Küstenabschnitte vorübergehend sperren, sofern Sicherheits- und Informationspflichten eingehalten werden. SpaceX hatte seine Anlagen bereits zuvor kontrolliert. Mit der Stadtgründung erhielten auch die angrenzenden Gebiete einen neuen öffentlich-rechtlichen Rahmen.

Starbase untersteht weiterhin dem Recht von Texas und der Vereinigten Staaten. Für ein Raumfahrtunternehmen kann eine Gemeinde, deren Entscheidungen zu seinem Betrieb passen, dennoch nützlicher sein als eine winzige unabhängige Republik. Am Starttag sperrt schließlich keine Flagge die Straße.

Próspera: eigene Regeln als Standortvorteil

Ein ehrgeizigeres Experiment läuft auf Roatán, einer Insel in Honduras. Dort verfolgt Próspera eine Idee, die dem Traum einer Stadt näherkommt, deren Rechtsordnung selbst zum Anziehungspunkt für Einwohner und Unternehmen werden soll.

Eine Recherche von ABC News berichtete, dass im August 2026 rund 200 Menschen dauerhaft dort lebten. Der US-Unternehmer Rich Lee, der an Technologien zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten arbeitet, zog unter anderem wegen der größeren regulatorischen Freiheiten dorthin.

Darin liegt der Reiz des Modells: Man zieht nicht in eine Stadt und nimmt ihre Regeln hin, sondern wählt den Wohnort gerade wegen dieser Regeln. Doch die Freiheit hat eine Kehrseite. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen dort ein Haus.

Ein eigenes Haus besitzen und trotzdem nicht darin wohnen dürfen?

Der 2024 veröffentlichte Mustervertrag für den Aufenthalt in Próspera unterscheidet zwischen dem Eigentum an einem Haus und dem Recht, in der Zone zu wohnen. Im ersten Jahr kann dieses Aufenthaltsrecht ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von mindestens 60 Tagen beendet werden.

Hat ein Bewohner kein anderes Recht, in der Zone zu bleiben, und kann er die Kündigung weder vor Gericht noch in einem Schiedsverfahren erfolgreich anfechten, sieht der Vertrag vor, ihm sogar den Zutritt zu seiner eigenen Immobilie zu verweigern. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Immobilie an einen zugelassenen Käufer verkauft werden. Der Nettoerlös nach Abzug von Kosten und Schulden soll an den früheren Eigentümer gehen.

Wir wissen nicht, ob alle Bewohner diese Fassung unterschrieben haben, ob die Bestimmungen bereits angewandt wurden oder ob honduranische Gerichte sie für wirksam halten würden. Eine auf diese Klauseln gestützte Zwangsräumung konnten wir nicht nachweisen.

Immobilieneigentum bedeutet nicht automatisch das Recht, auf dem betreffenden Gebiet zu wohnen. Besonders heikel wird das, wenn jemand seine gesamten Ersparnisse in ein Haus oder ein Unternehmen gesteckt hat. Einen Ort wegen seiner Regeln auszuwählen ist leichter, als ihn später wieder zu verlassen.

Wie funktioniert Prósperas Geschäftsmodell?

Hier gehören die Regeln selbst zum Angebot. Laut den am 27. Oktober 2026 eingesehenen Steuerinformationen nennt Próspera eine Steuer von 1 % auf den Bruttoumsatz von Unternehmen, 5 % auf das Einkommen natürlicher Personen und eine Umsatzsteuer von 2,5 % auf Einzelhandelsverkäufe. Die Steuer von 1 % auf den Grundstückswert ist derzeit ausgesetzt. Das sind die vom Projekt veröffentlichten Steuersätze.

Die Idee dahinter ist einfach: Attraktive Vorschriften locken Unternehmen und Bewohner an; Projektentwickler verkaufen oder vermieten Immobilien; lokale Geschäfte gewinnen Kunden; der Gastgeberstaat erhält Einnahmen. Mit der Nachfrage könnten auch die Grundstückspreise steigen.

Nach den am 27. Oktober 2026 eingesehenen Fragen und Antworten von Próspera sollen 12 % der Steuereinnahmen an honduranische öffentliche Einrichtungen gehen, 44 % an die Zone und weitere 44 % an deren allgemeinen Dienstleister. Das sind angekündigte Anteile, keine geprüften tatsächlichen Geldflüsse.

Die Investoren setzen darauf, dass eine andere Rechtsordnung Immobilien und Unternehmen attraktiver macht. Pronomos Capital führt Próspera unter seinen Beteiligungen auf. Aus dem Portfolio lässt sich jedoch nicht ablesen, wie viel ein bestimmter Milliardär persönlich dort investiert hat.

Darin liegt ein wirtschaftlicher Zielkonflikt: Damit ein solcher Standort erfolgreich ist, müssen die Bewohner darauf vertrauen können, dass seine Regeln Bestand haben. Zugleich können Organisationen, die Verwaltungsleistungen erbringen, eigene finanzielle Interessen verfolgen. Wer beaufsichtigt diejenigen, die die Regeln festlegen? Und was geschieht, wenn der Staat seine übertragenen Befugnisse zurücknimmt?

Honduras schlägt einen anderen Kurs ein

Próspera entstand nicht außerhalb des honduranischen Rechts. Grundlage war die Gesetzgebung zu den ZEDE-Zonen, die ausgewählten Gebieten außergewöhnlich weitgehende regulatorische Autonomie gewährte. 2022 hob Honduras diesen gesetzlichen Rahmen auf. 2024 erklärte der Oberste Gerichtshof das ZEDE-System für verfassungswidrig. Welche Folgen dies für bestehende Vereinbarungen hat, bleibt umstritten.

Mit Próspera verbundene Unternehmen strengten ein internationales Investitionsschiedsverfahren an. Eine anfängliche Forderung von 10,775 Milliarden US-Dollar sorgte weltweit für Schlagzeilen. Im Oktober 2025 verlangten die Kläger die Wiederherstellung ihrer beanspruchten Rechte oder alternativ rund 1,63 Milliarden US-Dollar. Die beiden Beträge stammen aus unterschiedlichen Stadien des Verfahrens und dürfen nicht addiert werden. Bis Oktober 2026 hatte ein Schiedsgericht keinen der beiden Beträge zugesprochen.

Die Investoren argumentieren, Honduras habe ihnen jahrzehntelange Rechtssicherheit versprochen und könne die Zusagen nicht einfach zurücknehmen. Gegner des ZEDE-Systems bestreiten hingegen schon dessen Legitimität. Gestritten wird darüber, welche Versprechen rechtlich gelten, wer sie geben durfte und wer die Verluste trägt, wenn eine Regierung ihren Kurs ändert.

Die Próspera Arbitration Center LLC gehört zu den Unternehmen, die gegen Honduras klagen. Zugleich ist sie in der Zone standardmäßig für die Beilegung bestimmter privater Streitigkeiten vorgesehen, sofern die Parteien nichts anderes vereinbaren. Über den internationalen Fall entscheidet allerdings ein unabhängiges ICSID-Schiedsgericht, nicht dieses Zentrum. Die Doppelrolle verdient Aufmerksamkeit, belegt für sich genommen aber keine Befangenheit.

Eine im September 2026 veröffentlichte Erklärung versucht, bestimmte gegen eine definierte Gruppe Próspera-naher Einrichtungen gerichtete Ansprüche im Zusammenhang mit der rechtlichen Stabilität auf 100 US-Dollar zu begrenzen. Dabei gelten wichtige Ausnahmen und die Schranken des anwendbaren Rechts. Wir fanden keine Gerichtsentscheidung, die eine solche Obergrenze auf eine bestimmte Person angewandt hätte. Das steht in auffälligem Kontrast zu den Forderungen der Investoren.

Unmittelbar außerhalb von Próspera liegt Crawfish Rock, eine Siedlung, die schon lange vor dem Projekt bestand. Venessa Cardenas Woods, deren Familie seit Generationen hier lebt, erklärte gegenüber ABC News, das Vorhaben habe Arbeitsplätze geschaffen, aber auch Nachbarn entzweit. Manche begrüßen die neuen Möglichkeiten, andere sorgen sich um die Folgen einer möglichen Expansion.

Im September 2026 gestattete das internationale Schiedsgericht sieben Vertretern der Gemeinde und mehreren Organisationen, schriftliche Stellungnahmen von jeweils höchstens 15 Seiten einzureichen. Sie wurden dadurch nicht zu Verfahrensparteien; weder erhielten sie allgemeinen Zugang zu den Akten noch das Recht, an den Anhörungen teilzunehmen. Diese Beschränkungen stehen in der Verfahrensanordnung Nr. 8.

Hier trifft die Idee einer frei gewählten Stadt auf die Wirklichkeit ihrer Umgebung. Wer sich für das Projekt entscheidet, mag dessen besondere Regeln schätzen. Die Nachbarn hatten diese Wahl nicht unbedingt. Wer soll mitentscheiden, wenn eine privat unterstützte Gebietsverwaltung weit über die eigenen Grundstücksgrenzen hinaus wirkt?

Hinter den Kulissen: Kapital, Eigentumsrechte und politischer Einfluss

Hinter den Aussagen stehen Dokumente, die genaueres Hinsehen verdienen. Die folgenden Beträge bezeichnen nicht alle dasselbe. Vertragsklauseln beschreiben mögliche Rechtsfolgen, keine endgültigen Gerichtsurteile oder nachgewiesenen Räumungen. Hier steht, was die Unterlagen belegen und was offenbleibt.

1. Anlegerzahlen lassen sich nicht einfach zusammenzählen

Das 2022 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Formular D/A der Honduras Próspera Inc. meldete Schuldtitel im Umfang von 46,775 Millionen US-Dollar als verkauft. Zugleich erklärte es ausdrücklich, dass diese Summe Zusagen von US-Investoren entsprach (13 Anleger). Solche Meldungen sind keine geprüften Abschlüsse und belegen nicht, dass das Geld vollständig auf Roatán eingegangen oder dort ausgegeben worden ist.

Eine im Mai 2026 aktualisierte Meldung zu einem weiteren Eigenkapitalangebot wies bei einem Angebotsvolumen von 66,3 Millionen US-Dollar bereits platzierte Anteile im Wert von 32.276.999 US-Dollar aus (ein Anleger). Die frühere Zahl von 10 Millionen wurde durch die Änderung ersetzt und darf nicht ein zweites Mal addiert werden. Ebenso irreführend wäre es, beide Angebote zusammenzurechnen und die Summe als „geprüfte Bauausgaben“ auszugeben. Pronomos Capital wird öffentlich als Investor genannt. Wie viel Peter Thiel oder Marc Andreessen persönlich in Próspera investiert haben, lässt sich aus diesen Unterlagen nicht bestimmen.

2. Was geschieht, wenn ein Bewohner sein Aufenthaltsrecht verliert?

Das im August 2024 veröffentlichte Muster des „Agreement of Coexistence“ unterscheidet zwischen Immobilieneigentum und einer persönlichen Aufenthaltsberechtigung. Artikel VI § 1(a) erlaubt im ersten Jahr eine Kündigung ohne Angabe von Gründen mit mindestens 60 Tagen Vorlauf. Nach § 2(a–b) kann einem Bewohner bei wirksamer Kündigung der Zutritt selbst zu seiner Immobilie in der Zone verweigert werden, wenn er nicht auszieht und die Kündigung auch nicht erfolgreich vor Gericht oder einem Schiedsgericht anficht. Der Text beschreibt zudem unter bestimmten Voraussetzungen ein Verfahren zur Übertragung oder zum Verkauf an zugelassene Käufer.

Eine wichtige Einschränkung: Der Nettoverkaufserlös soll nach Abzug von Kosten und offenen Verbindlichkeiten an den früheren Eigentümer ausgezahlt werden. Der Vertrag sieht also nicht einfach vor, einem Bewohner das Haus ohne Gegenleistung wegzunehmen. Eine Anfechtung der Kündigung ist vorgesehen. Wir sprechen über ein veröffentlichtes Muster. Wir haben weder festgestellt, dass alle derzeitigen Bewohner es unterschrieben haben, noch dass ein honduranisches Gericht die weitreichendsten Klauseln durchsetzen würde. Das Verfassungsurteil von 2024 gegen das ZEDE-System verstärkt die Unsicherheit über ihre Durchsetzbarkeit.

3. Was genau umfasst die 100-Dollar-Grenze?

Eine weitere Unterlage, der am 29. September 2026 aktualisierte „Legal Stability Disclosure and Disclaimer“, versucht in § 13(b), die gesamte Haftung einer definierten Gruppe von Einrichtungen für die dort beschriebenen Ansprüche auf 100 US-Dollar zu begrenzen, soweit das anwendbare Recht es erlaubt. Das Dokument nimmt Pflichten zur Rückgabe fremder Gelder oder Vermögenswerte ausdrücklich aus, erkennt unverzichtbare Rechte an und wahrt bestimmte eigenständige Vereinbarungen über rechtliche Stabilität. Die Grenze ist weder der Preis eines Hauses noch eine allgemeine Obergrenze für sämtliche Verluste von Bewohnern. Uns ist kein Gerichtsurteil bekannt, das sie auf einen Einzelfall angewandt hat.

Der Gegensatz bleibt auffällig: Investoren verlangen wegen veränderter Rechtsregeln auf Abkommen gestützte Rechtsbehelfe, während die Erklärung des Betreibers einen Teil des Risikos derselben Instabilität den Nutzern zuweist. Dokumentiert sind unterschiedliche vertragliche Positionen, nicht der Nachweis, dass jemand tatsächlich eine Entschädigung verloren hat.

4. Wo zeigt sich politischer Einfluss?

Ein Portal für Lobbyregistermeldungen auf US-Bundesebene verzeichnet für drei Kanzleien, die Honduras Próspera Inc. vertraten, gemeldete Honorare von 485.000 US-Dollar. Die Meldungen betreffen 2025 und die ersten drei Quartale 2026: 375.000 US-Dollar im Jahr 2025 und 110.000 im Jahr 2026. Aufgeführt sind Kontakte zum Kongress und zu Bundesbehörden zu Außenbeziehungen, Handel und Investitionen. Es handelt sich um gemeldete, legale Lobbyarbeit. Allein daraus folgen weder Korruption noch der Kauf staatlicher Entscheidungen.

Was die Dokumente nicht belegen

Die Unterlagen liefern weder vollständig geprüfte, konsolidierte Angaben zu den Geldflüssen des Projekts noch eine endgültige Entscheidung im Streit zwischen Investoren und Staat. Sie beweisen weder die tatsächliche Durchsetzbarkeit jeder Aufenthaltsvereinbarung noch die Häufigkeit, mit der die umstrittenen Klauseln angewandt werden. Für diesen Dokumentenvergleich haben wir keine eigenen Interviews mit Bewohnern geführt. Die Befunde rechtfertigen es, Anreize und Rechtsbehelfe zu untersuchen, nicht aber die Behauptung, das Projekt oder seine Beteiligten hätten rechtswidrig gehandelt.

Angefragte Stellungnahmen

Mike’s Balance bat Próspera, SpaceX und die Stadtverwaltung von Starbase um eine Stellungnahme zu diesem Artikel. Bis zum 27. Oktober 2026 war keine Antwort eingegangen. Daraus folgt nicht, dass die Organisationen eine Stellungnahme verweigert haben. Wir werden inhaltlich relevante Antworten prüfen und den Artikel bei Bedarf aktualisieren.

Kann ein Vertrag die Politik überdauern?

Vielleicht bräuchten die Investoren nur bessere Garantien. Ein geschickt formulierter Vertrag, der mehrere Generationen übersteht, müsste seine Regeln theoretisch auch gegen die Entscheidungen einer künftigen Regierung absichern. In Florida hat Disney etwas ganz Ähnliches versucht.

Jahrzehntelang verfügte der Reedy Creek Improvement District rund um Walt Disney World über weitreichende kommunale Befugnisse. Er kümmerte sich um Straßen, Versorgungsbetriebe und Feuerwehr, erhob Steuern und gab Anleihen aus. Geschaffen worden war der Bezirk durch ein Gesetz Floridas, nicht durch eine Unabhängigkeitserklärung von Disney.

Als Disneys öffentliche Kritik an einem Schulgesetz Floridas einen Streit mit Gouverneur Ron DeSantis und den Abgeordneten des Bundesstaats auslöste, änderte Florida die Verwaltungsstruktur des Bezirks. Kurz bevor 2023 ein neuer, vom Staat ernannter Vorstand sein Amt antrat, hatte der bisherige Vorstand noch Vereinbarungen zugunsten von Disney gebilligt.

Die Laufzeit einer dieser Vereinbarungen wurde an eine ungewöhnliche Bedingung geknüpft: Sie sollte 21 Jahre nach dem Tod des letzten überlebenden Nachkommen von König Charles III. enden, der bei der Unterzeichnung schon lebte. Wie lange ein Planungsvertrag in Florida gelten würde, hing damit vom Leben Angehöriger des britischen Königshauses ab.

Doch auch das beendete den politischen Konflikt nicht. In einer Vereinbarung vom März 2024 erkannte Disney an, dass die vom bisherigen Vorstand gebilligten Abkommen ungültig waren. Anschließend einigten sich die Beteiligten auf neue Regelungen für die Entwicklung des Gebiets. Die juristische Raffinesse hatte die frühere Konstruktion letztlich nicht vor der Politik geschützt.

Auch enorme Geldsummen garantieren keine behördlichen Genehmigungen. California Forever, finanziert von Investoren aus dem Silicon Valley, gab rund eine Milliarde US-Dollar für fast 70.000 Acres (28.000 Hektar) Land aus. Geplant war unter anderem eine neue Stadt. Im August 2026 stimmten die Verantwortlichen des Bezirks Solano mit 3 zu 2 Stimmen dagegen, ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für eine Werft zu unterstützen. Die Initiative hatte Rückhalt aus dem Büro von Gouverneur Gavin Newsom und hätte die Verwendung einer 18 Jahre alten allgemeinen Umweltprüfung anstelle einer neuen projektspezifischen Prüfung erlaubt. Kritiker hielten die Umweltprüfung und die öffentliche Beteiligung für unzureichend.

Saronic, das als möglicher künftiger Nutzer der Werft galt, hatte sich allerdings schon am 16. Juli 2026 für Brownsville in Texas entschieden, also sechs Wochen vor der Abstimmung in Kalifornien. Im Juni hatte Cameron County, wo auch Starbase liegt, für die einzelnen Projektphasen von Saronic vier bedingte Grundsteuerermäßigungen von jeweils 95 % genehmigt, jede für einen eigenen Zeitraum von zehn Jahren. Die Unterlagen belegen die Anreize und die Standortwahl, nicht aber, dass diese Anreize allein den Ausschlag gaben.

Die Abstimmung in Kalifornien begrub nicht das gesamte Städtebauprojekt, und California Forever strebte auch keine Unabhängigkeit an. Der Vergleich führt dennoch zurück zu Starbase: Land und Geld sind nur ein Teil der Gleichung. Entscheidungen staatlicher Stellen und ihre Bedingungen können ebenso schwer wiegen.

Als ein Unternehmen fast die Macht eines Staates besaß

Das Silicon Valley hat diese Idee nicht erfunden. Im 19. Jahrhundert erhielt eine britische Gesellschaft Regierungsbefugnisse in Nordborneo, das heute größtenteils zum malaysischen Bundesstaat Sabah gehört. Das ging weit über die kommunale Autonomie unserer Zeit hinaus. Und es wirft eine Frage auf, die bei aller Begeisterung für neue Städte leicht untergeht: Was geschieht, wenn die Menschen vor Ort diejenigen nicht als Herrscher anerkennen, die über sie bestimmen wollen?

Der Unternehmer Alfred Dent und seine Partner handelten 1877 und 1878 Konzessionen mit den Herrschern von Brunei und Sulu aus. 1881 verlieh Königin Victoria der British North Borneo Company eine königliche Charta.

Ein Blick auf die darin aufgezählten Rechte genügt: Die Gesellschaft durfte Gesetze erlassen, Steuern erheben, Gerichte verwalten, Geld ausgeben und Streitkräfte unterhalten. Eine der in der Charta erwähnten früheren Vollmachten beanspruchte sogar das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Ein Protektoratsabkommen von 1888 bezeichnete das Gebiet als „unabhängigen Staat“.

Dennoch kontrollierte Großbritannien die Außenbeziehungen und gewährte Schutz vor auswärtigen Mächten. Die Gesellschaft übte weitreichende Regierungsbefugnisse aus. Nordborneo war dennoch kein souveräner, unabhängiger Staat im heutigen Sinne.

Diese Herrschaft musste finanziert werden. Weil Landwirtschaft und Bergbau die Erwartungen der Investoren enttäuschten, verkaufte die Gesellschaft Monopollizenzen für Glücksspiel, Spirituosen, Opium und Pfandleihgeschäfte. Ein Unternehmen mit Regierungsgewalt ließ sich von anderen Firmen die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb bezahlen. Die Macht, Regeln zu setzen, war selbst zu einer Einnahmequelle geworden.

Die Herrschaft stieß auf Widerstand. Mat Salleh, ein lokaler Anführer, wandte sich in Konflikten über Steuern und die Kontrolle des Gebiets gegen die Gesellschaft. 1897 griffen seine Anhänger deren Station auf der Insel Gaya an. Es folgten Feldzüge, Verhandlungen und weitere Kämpfe. Bei der Belagerung seiner Festung kam Mat Salleh 1900 ums Leben. Das in der Charta verankerte Recht, Streitkräfte aufzustellen, war längst keine bloß abstrakte Vertragsklausel mehr.

Der Krieg hatte Nordborneo verwüstet. 1946 verhandelte die Gesellschaft mit Großbritannien über die Abgabe ihrer Regierungsbefugnisse. Am 19. Juni debattierte das Oberhaus des britischen Parlaments über die Übertragung. Die Aktionäre sollten abstimmen. Und die Bewohner? Auf diese Frage antwortete Lord Winster in der Parlamentsdebatte:

„Ich kann nicht sagen, auf welche Gespräche oder Konsultationen der Chief Civil Affairs Officer von Nordborneo seine Einschätzung gestützt hat.“

Ein Beamter konnte somit im Namen der Bevölkerung Zusicherungen machen, ohne angeben zu können, welche Befragungen ihnen zugrunde lagen. Die Aktionäre wurden konsultiert; die Menschen unter der Herrschaft der Gesellschaft erhielten keine vergleichbare Stimme.

Am 15. Juli 1946 wurde Nordborneo britische Kronkolonie. Die Gesellschaft erhielt für die Aufgabe ihrer Regierungsrechte eine Entschädigung. Die Aktionäre hatten formal ein Mitspracherecht bei der Transaktion, die Einwohner dagegen keinen gleichwertigen Einfluss auf die Entscheidung.

Aus den alten Konzessionen erwuchs später ein weiterer Streit, diesmal um Milliarden. 2022 verpflichtete ein Schiedsrichter Malaysia zur Zahlung von 14,92 Milliarden US-Dollar an die Erben des Sultans von Sulu. Das Pariser Berufungsgericht hob den Schiedsspruch im Dezember 2025 auf. Aus dem aufgehobenen Schiedsspruch lässt sich daher keine vollstreckbare Zahlung in dieser Höhe ableiten. Der Streit zeigt aber, wie Verträge aus der Kolonialzeit die politische Ordnung überleben können, in der sie entstanden.

Kann aus gekauften Gebieten ein souveräner Staat werden?

Einige historische Beispiele machen ein vorschnelles „niemals“ schwierig. Das Fürstenhaus Liechtenstein kaufte 1699 Schellenberg und 1712 Vaduz. 1719 wurden die Gebiete zum Reichsfürstentum vereinigt; 1806 erlangte es die Souveränität. Doch die Grundstückskäufe allein schufen keinen souveränen Staat. Entscheidend waren auch die Beschlüsse der damaligen politischen Autoritäten und Veränderungen der europäischen Verfassungsordnung.

Von 1885 bis 1908 regierte Leopold II., König der Belgier, persönlich den international anerkannten, rechtlich von Belgien getrennten Kongo-Freistaat. Seine Anerkennung war ebenso real wie Zwangsarbeit, brutale Ausbeutung und massenhafte Gewalt. Das ist ein historischer Fall persönlicher Herrschaft über einen anerkannten Staat, kein Erfolgsmodell für heutige Investitionsprojekte.

Keiner der beiden Fälle bietet heutigen Inselkäufern eine Abkürzung. Internationale Anerkennung ist kein Beliebtheitswettbewerb und reicht für sich genommen nicht zur Staatsgründung. Wer einen Staat gründen will, braucht tatsächliche Regierungsfähigkeit und muss Beziehungen zur Außenwelt unterhalten können. Eine Eigentumsurkunde liefert all das nicht.

Vielleicht ist Unabhängigkeit gar nicht das richtige Ziel

Einige besonders beständige Beispiele eigenständiger Rechtsordnungen strebten niemals Unabhängigkeit an. Das Dubai International Financial Centre verfügt seit 2004 über ein eigenes Wirtschaftsrecht und eigene Gerichte. Der Abu Dhabi Global Market verfügt seit 2015 über ein Gerichtssystem nach englischem Common Law. Keines von beiden ist ein souveräner Staat oder das private Reich eines Milliardärs. Beide wurden von Regierungen gegründet, die Unternehmen anziehen wollten.

Hier sind die Anreize anders verteilt. Unternehmen profitieren von berechenbaren Rechtsregeln und spezialisierten Gerichten; der Gastgeberstaat gewinnt Investitionen, Arbeitsplätze und Glaubwürdigkeit. Würde er die Einrichtungen willkürlich zerschlagen, könnte er seine eigene Strategie gefährden. Diese Übereinstimmung der Interessen hilft, ihre Beständigkeit zu erklären, ohne sie zu garantieren.

Was lässt sich mit Vermögen tatsächlich erreichen? Land erwerben, sofern die Eigentümer verkaufen wollen. Kommunale Befugnisse im Rahmen rechtmäßiger politischer Verfahren erlangen, wie in Starbase. Oder besondere Steuer- und Wirtschaftsregeln aushandeln, wenn der Staat zustimmt, wie zunächst bei Próspera. Ein souveräner Staat zu werden ist etwas völlig anderes. Dafür braucht es mehr als Grundbucheinträge, Anlageprospekte oder die Unterstützung eines Ministers.

Die Beispiele ergeben beinahe das Gegenteil des ursprünglichen Traums. Nordborneo erhob Steuern und hatte eine Armee, blieb aber von Großbritannien abhängig. Disney verfügte jahrzehntelang über besondere kommunale Verwaltungsrechte, konnte sie jedoch nicht von Floridas Politik abschirmen. Próspera kämpft vor einem Schiedsgericht um den Erhalt seiner Rechtsordnung. Die Zentren in Dubai bestehen auch deshalb weiter, weil ihre Regierungen gute Gründe haben, sie zu erhalten.

Darin liegt das Paradox: Wer unter grundlegend anderen Regeln leben will, fährt womöglich besser damit, eine besonders dauerhafte Vereinbarung mit einem bestehenden Staat zu schließen, als sich von ihm loszusagen. Je mehr Geld in Gebäude und Infrastruktur fließt, desto teurer wird die Erkenntnis, dass die Vereinbarung vielleicht doch weniger dauerhaft ist als erhofft.

Vielleicht braucht ein Milliardär gar keinen eigenen Staat. Was er braucht, ist eine Rechtsordnung, die auch die nächste Wahl übersteht. Der Kauf einer Insel garantiert ihm das nicht.

Quellen und Dokumente

Nordborneo

Historischer Hintergrund

Starbase

California Forever: Kapital und Zustimmung vor Ort

Disney

Próspera und Honduras

Weitere Dokumente: Kapital, Aufenthalt und Lobbying

Politische Verhandlungen und Wirtschaftszonen

Disney, neue Städte und Garantien für Investoren

Beispiele dauerhafter Autonomie

Redaktioneller Hinweis zu den Namen: ABC News verwendet „Vanessa Cardenas“, während die ICSID-Verfahrensanordnung Nr. 8 die Vertreterin aus Crawfish Rock als „Venessa Cardenas Woods“ bezeichnet. Der Artikel folgt der Bezeichnung im Gerichtsdokument.