Spitzensportler leben häufig länger als die Allgemeinbevölkerung. Doch eine Sportart, die in einer Studie mit zusätzlichen Lebensjahren verbunden ist, kann in der nächsten völlig unauffällig erscheinen. Das muss kein Widerspruch sein: Die Studien messen nicht unbedingt dasselbe.

In einer Untersuchung mit fast 20.000 Spielern der National Football League (NFL) lag die Sterblichkeit insgesamt um 30 % unter dem erwarteten Wert. Gleichzeitig starben die Spieler fast viermal so häufig an neurodegenerativen Erkrankungen wie erwartet. Beide Ergebnisse betreffen dieselben Spieler. Und beide sind korrekt wiedergegeben.

Ein anderes Ergebnis klingt noch verblüffender. In einer Auswertung von 95.210 Sportlerbiografien war Stabhochsprung mit 8,4 zusätzlichen Lebensjahren verbunden, Turnen mit 8,2 und Sumoringen mit 9,8 Jahren weniger. Diese Zahlen wirken so präzise wie eine Rangliste mit klaren Siegern und Verlierern. Nur: Zeigen sie die Wirkung des Sports? Oder eher, welche Menschen es überhaupt an die Weltspitze schaffen? Vielleicht spiegeln sie auch die Besonderheiten der verfügbaren Biografien wider?

Die Frage reicht weit über den Profisport hinaus. Wer eine Aktivität sucht, die über Jahrzehnte gesund hält, steht vor einer praktischen Entscheidung: Laufen, Schwimmen, Tennis, Krafttraining oder Mannschaftssport? Dass Bewegung der Gesundheit zugutekommt, ist vergleichsweise gut belegt. Welche Sportart dabei vorn liegt, lässt sich weit weniger klar beantworten.

Redaktionelle Aktualisierung · Oktober 2026. Der ursprüngliche Beitrag stammt von Mikhail Faranov, MD. Die Ergänzungen und Auswertungen aus dem Jahr 2026 wurden vom Redaktionsteam von Mike’s Balance recherchiert und redaktionell verantwortet.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Spitzensportler weisen meist eine geringere Sterblichkeit auf als die Allgemeinbevölkerung. Eine Metaanalyse von rund 165.000 ehemaligen Athleten ergab ein standardisiertes Mortalitätsverhältnis (SMR) von insgesamt 0,67. Die Einzelstudien unterschieden sich allerdings erheblich.
  • Ausdauer- und Mannschaftssportler zeigen historisch den deutlichsten Überlebensvorteil. Für Kraft- und Schnellkraftsportarten ist die Evidenz weniger einheitlich. Eine eindeutig überlegene Einzeldisziplin lässt sich nicht bestimmen.
  • Eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung schützt nicht vor sportartspezifischen Schäden. NFL-Spieler hatten eine niedrigere Gesamtsterblichkeit, aber eine deutlich höhere Sterblichkeit durch neurodegenerative Erkrankungen.
  • Für die meisten Menschen sind Studien zum Freizeitsport aussagekräftiger. Laufen, Radfahren und Schwimmen hängen mit geringerer Sterblichkeit zusammen, ganz ohne Karriere im Spitzensport.

Leben Spitzensportler tatsächlich länger?

Zunächst fällt auf, wie häufig Studien zum selben grundlegenden Ergebnis kommen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2014 mit 42.807 Spitzensportlern verzeichnete nur etwa zwei Drittel der Todesfälle, die anhand der Sterberaten der Allgemeinbevölkerung zu erwarten gewesen wären. Das zusammengefasste standardisierte Mortalitätsverhältnis (SMR) betrug 0,67. Auch die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs war niedriger. Eine spätere systematische Übersichtsarbeit mit 54 Studien ergab ein ähnliches Bild. [1] [2]

Doch gilt dieser Vorteil für jede Art von Sport? Runacres und Kollegen werteten 24 Studien mit insgesamt 165.033 ehemaligen Spitzensportlern aus. Für die Analyse der Gesamtsterblichkeit lagen Daten aus 23 Studien mit 164.833 Athleten vor; sie ergab eine gepoolte SMR von 0,67. Bei Männern lagen die zusammengefassten Werte bei 0,65 für Ausdauersport, 0,68 für Mannschaftssport und 1,04 für Kraft- und Schnellkraftsportarten. Das Konfidenzintervall der letzten Schätzung schloss den Wert 1 ein. Für diese Teilgruppe war damit kein eindeutiger Sterblichkeitsvorteil nachweisbar. [3]

Diese Werte sagen nicht, wie viele Lebensjahre jemand gewinnt, wenn er eine bestimmte Sportart beginnt. Verglichen werden beobachtete Todesfälle ehemaliger Spitzensportler mit Todesfällen, die nach Bevölkerungsraten zu erwarten wären. Die Einzelstudien unterschieden sich allerdings extrem stark: Die Heterogenität betrug I² = 96,9 %. Zudem fanden die Autoren bei der Auswertung der Gesamtsterblichkeit Hinweise auf Publikationsverzerrungen. Die gemeinsame SMR fasst also sehr unterschiedliche Daten zusammen und ist kein allgemeingültiger Trainingseffekt. [3]

📊 Was die Kennzahl bedeutet

Eine SMR von 0,65 bedeutet 35 % weniger Todesfälle als erwartet, während der untersuchten Nachbeobachtung, gemessen an der entsprechend angepassten Vergleichsbevölkerung. Sie bedeutet nicht, dass ein Athlet 35 % länger lebt, 35 Lebensjahre gewinnt oder der gesamte Unterschied auf das Training zurückgeht.

Schon die Einteilung in große Sportgruppen ist problematisch. So fallen Baseball und American Football beide unter „Mannschaftssport“, obwohl ihre langfristigen Risiken nicht dieselben sind. Hinzu kommt: Viele Daten stammen von Männern, die vor mehreren Generationen aktiv waren. Frauen waren zwar in der größeren Metaanalyse vertreten, aber für belastbare Vergleiche einzelner Sportarten gab es zu wenige entsprechende Studien. [3]

Warum eine Rangliste von 44 Sportarten so verlockend ist

Eine scheinbar eindeutigere Antwort bot eine Studie in GeroScience. Die Forschenden stellten 95.210 Sportlerdatensätze aus 183 Ländern und 44 Disziplinen zusammen, vor allem aus Wikipedia und Wikidata. Sie verglichen das dokumentierte Sterbealter mit Referenzwerten für die Lebenserwartung, angepasst an Land, Geschlecht und Todesjahr. [4]

Bei Männern war Stabhochsprung mit einer Differenz von +8,4 Jahren verbunden, Turnen mit +8,2 und Sumoringen mit −9,8. Auch Tennis und Badminton schnitten günstig ab; für beide Geschlechter zeigten sich positive Zusammenhänge. Plötzlich schien es möglich, eine Siegerdisziplin auf eine Nachkommastelle genau zu bestimmen.

Doch diese Genauigkeit täuscht, wenn man die Zahlen als Schätzung dessen versteht, was die Sportart verursacht. Die Datenbank erfasst nur Athleten, die bekannt genug sind, um in öffentlichen Biografien aufzutauchen; etwa 95,5 % der Einträge betreffen Männer. Soziale Herkunft, Rauchen, Gesundheit in der Kindheit und der Weg an die sportliche Spitze ließen sich nicht ausreichend berücksichtigen. Im Modell für Männer erklärte die Sportart lediglich 6,2 % der Unterschiede im verwendeten Maß für die Lebenszeitdifferenz (adjustiertes R² = 0,06216). Dieser Wert beschreibt ein Modell innerhalb eines ausgewählten Datensatzes, nicht den Anteil der Lebensdauer eines Menschen, den der Sport bestimmt.

Entscheidender noch ist die Wahl des Vergleichswerts: Die Forschenden zogen vom dokumentierten Sterbealter eines Athleten einen Wert der allgemeinen Lebenserwartung ab, der zu dessen Land, Geschlecht und Todesjahr passte. Das ist keine gleichaltrige, über Jahrzehnte beobachtete Gruppe von Nichtsportlern. Wer zum Beispiel 2010 im Alter von 80 Jahren starb, wird damit nicht mit anderen Angehörigen seines Geburtsjahrgangs verglichen, sondern mit einem statistischen Wert für 2010. Die daraus errechneten „+8,4 Jahre“ messen deshalb nicht, wie viele Lebensjahre der Stabhochsprung einem Menschen zusätzlich verschafft. [4]

🔎 Methodische Falle

„Stabhochspringer: +8,4 Jahre“ ist ein beobachteter Zusammenhang, keine Trainingsempfehlung. Die Untersuchung beschreibt eine ausgewählte Sammlung öffentlicher Biografien, nicht den Gewinn an Lebenszeit, den man durch den Einstieg in den Stabhochsprung erwarten dürfte.

Eine weitere Schwierigkeit: Die Autoren schlossen Todesfälle aus, die als unfallbedingt oder nicht natürlich registriert waren. Für manche Fragestellungen kann das sinnvoll sein. Doch damit beschreibt das Ergebnis nicht mehr die durchschnittliche Lebensdauer aller Menschen, die eine bestimmte Sportart betrieben haben. Wer Todesursachen herausfiltert, verändert zwangsläufig auch die Antwort.

Die Studie ist deshalb faszinierend, vor allem als Quelle neuer Hypothesen. Eine verlässliche Rangliste für Eltern, die eine Sportart für ihr Kind auswählen, oder für Erwachsene, die selbst aktiv werden wollen, ist sie nicht.

Finnland: Ein halbes Jahrhundert Nachbeobachtung

Eine andere Perspektive liefern die finnischen Sterberegister. Forschende verfolgten anhand nationaler Sterberegister 2.363 ehemalige männliche Spitzensportler und 1.657 Kontrollpersonen über eine mediane Nachbeobachtungszeit von ungefähr 50 Jahren. [5]

Die mediane Lebenserwartung lag bei 79,1 Jahren für Ausdauersportler, 78,8 für Mannschaftssportler und 72,9 für die Kontrollen. Der Abstand zu den Kontrollen beträgt damit rund sechs Jahre. Auch bei mehreren einzelnen Todesursachen schnitten Ausdauer- und Mannschaftssportler günstiger ab. Die Kraftsportgruppe zeigte dagegen nicht durchgängig dasselbe günstige Muster; bei Boxern war innerhalb dieser Gruppe die Demenzsterblichkeit erhöht.

Evidenz im Bild · Finnland

Rund sechs Jahre Abstand, aber kein Beweis für sechs gewonnene Lebensjahre

Berichtete mediane Lebenserwartung in der historischen finnischen Kohorte mit den 95-%-Konfidenzintervallen der Studie. Alle Angaben in Jahren.

Kontrollen ohne Spitzensport
72,9
Mannschaftssport
78,8
Ausdauersport
79,1
7073767982

Die Punkte zeigen die Mediane, die horizontalen Linien die berichteten 95-%-Konfidenzintervalle. Die Achse beginnt bei 70, nicht bei null.

Der Unterschied zu den Kontrollen beträgt bei Mannschaftssportlern 5,9 Jahre und bei Ausdauersportlern 6,2 Jahre, direkt aus den berichteten Medianen berechnet. Dies ist ein Gruppenvergleich, kein kausaler Zugewinn durch Training. Athleten und Kontrollpersonen wurden nicht zufällig den Gruppen zugeteilt. Quelle: Kettunen et al., 2015, [5].

Der Vergleich ist anschaulicher als die pauschale Aussage, Sportler lebten länger. Aber auch hier gilt: Verglichen wurden Gruppen mit unterschiedlicher Lebensgeschichte, nicht zufällig ausgewählte Menschen, denen man für Jahrzehnte ein Training zuwies. Bei der Auswahl der Vergleichspersonen spielte die militärische Tauglichkeitsprüfung eine Rolle. Sowohl Athleten als auch Kontrollen lebten unter bestimmten historischen Bedingungen. Auch ein großer Abstand zwischen Gruppen verrät nicht automatisch, wie viel davon das Training verursacht hat.

Zusammen mit den Metaanalysen stützen die finnischen Ergebnisse dennoch eine wichtige Beobachtung: Der generelle Überlebensvorteil von Ausdauer- und Mannschaftssportlern ist kein bloßes Artefakt eines einzigen Datensatzes.

Das Football-Paradox: weniger Todesfälle, andere Risiken

Besonders deutlich wird das Problem, wenn man den englischen Fußball mit dem American Football vergleicht.

In einer Studie über 7.620 männliche englische Profifußballer, geboren zwischen 1900 und 1972, wurden bis 2022 insgesamt 3.571 Todesfälle ermittelt. Nach den Bevölkerungsraten wären 4.242 zu erwarten gewesen. Die daraus berechnete SMR lag bei 0,84. Die Gesamtsterblichkeit dieser Kohorte war also niedriger als bei Männern der Allgemeinbevölkerung. Allerdings stützten sich die Daten zu einem erheblichen Teil auf öffentliche Datenbanken. Die Studie war nicht darauf angelegt, sämtliche gesundheitlichen Wirkungen dem Fußball selbst zuzuordnen. [6]

Beim American Football zeigt sich ein verstörenderes Bild. Im Jahr 2026 berichteten Luster und Kollegen über 19.824 NFL-Spieler, die zwischen 1960 und 2019 in die Liga gekommen waren. Die Gesamtsterblichkeit lag unter dem Erwartungswert (SMR 0,70), ebenso die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Gleichzeitig war die Sterblichkeit durch neurodegenerative Erkrankungen deutlich erhöht (SMR 3,94); auch die Schätzungen für Demenz, Parkinson und amyotrophe Lateralsklerose lagen höher. In den Sterbeurkunden wurden 178 neurodegenerative Todesfälle erfasst, gegenüber 45,21 nach demografischer Standardisierung erwarteten. Selbst eine Simulation, die konkurrierende Todesursachen berücksichtigte, ergab noch einen ungefähr dreifachen Überschuss. [7]

Evidenz im Bild · NFL-Sterblichkeit

Dieselben Spieler, zwei gegensätzliche Sterblichkeitsmuster

Verhältnis der beobachteten zu den erwarteten Todesfällen bei 19.824 ehemaligen NFL-Spielern. Die Erwartungswerte werden für jede Todesursache anhand der Sterberaten der Bevölkerung separat berechnet.

Gesamtsterblichkeit 30 % weniger Todesfälle
0,70×
Neurodegenerative Erkrankungen Fast 4-mal so viele wie erwartet
3,94×
01×2×3×4×

Die gestrichelte Linie markiert 1×, also den für die jeweilige Todesursache erwarteten Wert.

178 neurodegenerative Todesfälle wurden erfasst, gegenüber 45,21 erwarteten, nach demografischer Standardisierung. Dies sind ursachenspezifische Sterblichkeitsverhältnisse, keine individuellen Wahrscheinlichkeiten oder gewonnenen Lebensjahre. Die SMR für neurodegenerative Erkrankungen betrug 3,94 (95-%-KI 3,38–4,56). Quelle: Luster et al., 2026, [7]. Das Diagramm wurde anhand der publizierten Zahlen neu gezeichnet; beide Balken verwenden dieselbe Skala von 0 bis 4×.

Das heißt nicht, dass fast vier Prozent aller NFL-Spieler an einer neurodegenerativen Erkrankung sterben. Eine SMR von 3,94 ist ein relativer Vergleich mit der erwarteten Sterblichkeit, keine individuelle Wahrscheinlichkeit und auch kein absoluter Anstieg um 294 Prozentpunkte. Die Untersuchung umfasste während der Nachbeobachtung 1.994 Todesfälle insgesamt. Das persönliche Risiko hängt jedoch auch von Alter, Spielhistorie und vielen weiteren Faktoren ab.

Was passiert, wenn NFL-Spieler nicht mit der Allgemeinbevölkerung verglichen werden, sondern mit anderen Profisportlern? Eine Studie von 2019 verglich 3.419 NFL-Spieler nicht mit der Allgemeinbevölkerung, sondern mit 2.708 Baseballspielern der Major League Baseball. Bei den NFL-Spielern war die adjustierte Gesamtsterblichkeit höher (Hazard Ratio 1,26), ebenso die neurodegenerative Sterblichkeit, wenn zugrunde liegende und beitragende Todesursachen zusammen erfasst wurden (HR 2,99). [8]

Dieser Vergleich isoliert den eigenständigen kausalen Effekt wiederholter Kopfstöße nicht. Er schwächt aber das Argument, eine günstige Gesamtsterblichkeit beweise die Harmlosigkeit der Sportart. Vor allem zeigt er, wie stark die Wahl der Vergleichsgruppe die Antwort beeinflusst.

Und selbst Sterbeurkunden erfassen neurologische Erkrankungen nicht immer vollständig. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2026 mit 202 verstorbenen ehemaligen NFL-Spielern, die ihre Gehirne für die Forschung gespendet hatten und bei denen eine Demenz klinisch festgestellt worden war, nannten die Sterbeurkunden nur bei 62 (30,7 %) eine neurodegenerative Erkrankung als zugrunde liegende Todesursache. Unter Einbeziehung beitragender Ursachen waren es 82 (40,6 %). Diese stark ausgewählte Gruppe von Hirnspendern ist nicht repräsentativ für alle Spieler. Die Prozentwerte dürfen weder zur Korrektur der ligaweiten Sterblichkeitsrate noch zur Schätzung der Demenzhäufigkeit verwendet werden. Stattdessen zeigen sie, wie begrenzt die Aussagekraft der Angaben auf Sterbeurkunden sein kann. [10]

Was die wichtigsten Studien tatsächlich ergaben

Die folgende Übersicht macht die Unterschiede zwischen den Studien sichtbar. Sie ist keine Rangliste der Sportarten. Jede Zahl behält ihr ursprüngliches Maß und ihre Vergleichsgruppe. Eine SMR, eine Hazard Ratio und ein Unterschied in dokumentierten Lebensjahren lassen sich weder zusammenzählen noch auf derselben Skala ordnen.

Sportart oder Gruppe Beobachtetes Ergebnis Evidenz und entscheidende Einschränkung
Elite-Ausdauersport, Männer Gesamtsterblichkeit: SMR 0,65 Metaanalyse ehemaliger Spitzensportler; sehr hohe Heterogenität [3]
Elite-Mannschaftssport, Männer Gesamtsterblichkeit: SMR 0,68 Unterschiedliche Sportarten und Epochen; möglicher Publikationsbias [3]
Elite-Kraft- und Schnellkraftsport, Männer Gesamtsterblichkeit: SMR 1,04 Kein eindeutiger Vorteil; wenige Studien zu diesen Disziplinen [3]
Finnische Ausdauersportler Mediane Lebensdauer: 79,1 Jahre Historische Kohorte; Kontrollen: 72,9 Jahre [5]
Finnische Mannschaftssportler Mediane Lebensdauer: 78,8 Jahre Dieselbe finnische Kohorte und Vergleichsgruppe [5]
Englischer Profifußball Gesamtsterblichkeit: SMR 0,84 Männliche Profis des 20. Jahrhunderts gegenüber Allgemeinbevölkerung [6]
NFL-Spieler Gesamtsterblichkeit: SMR 0,70; neurodegenerativ: SMR 3,94 Je nach Todesursache zeigen sich entgegengesetzte Ergebnisse [7]
Stabhochsprung, Männer +8,4 Jahre (biografische Altersdifferenz) Wikipedia-/Wikidata-Analyse; nicht kausal [4]
Turnen, Männer +8,2 Jahre (biografische Altersdifferenz) Derselbe ausgewählte Biografiedatensatz [4]
Sumoringen, Männer −9,8 Jahre (biografische Altersdifferenz) Derselbe ausgewählte Biografiedatensatz [4]
Radfahren in der Freizeit Gesamtsterblichkeit: HR 0,79 Längsschnittdaten aus der Allgemeinbevölkerung [9]
Laufen in der Freizeit Gesamtsterblichkeit: HR 0,77 Längsschnittdaten aus der Allgemeinbevölkerung [9]
Schwimmen in der Freizeit Gesamtsterblichkeit: HR 0,76 Längsschnittdaten aus der Allgemeinbevölkerung [9]
Tennis in der Freizeit (Kopenhagen) +9,7 Jahre (modellierte Differenz) 8.577 Personen insgesamt; Tennisgruppe: 167; Beobachtungsstudie [11]
Studienübersicht von Mike’s Balance auf Grundlage der zitierten Publikationen. SMR = standardisiertes Mortalitätsverhältnis; HR = Hazard Ratio. Werte unter 1 zeigen eine niedrigere beobachtete Sterblichkeit im Verhältnis zur jeweiligen Vergleichsgruppe. Die biografischen Altersdifferenzen, die modellierten Lebenserwartungsunterschiede aus Kopenhagen und die finnischen medianen Lebensdauern beruhen auf unterschiedlichen Verfahren und dürfen nicht direkt miteinander verglichen werden. Es handelt sich um beobachtete Zusammenhänge, nicht um individuelle Prognosen.

Wie viel erklärt das Training, wie viel die Auswahl der Sportler?

Stellen Sie sich tausend Menschen vor, die später zu Spitzensportlern im Ausdauerbereich werden. Noch vor ihrer ersten Medaille können sie sich von der Allgemeinbevölkerung unterscheiden: in ihrer Gesundheit, ihren genetischen Voraussetzungen, bei Bildung und Einkommen, beim Rauchen, bei Ernährung und medizinischer Versorgung. Manche dieser Unterschiede bleiben bis ins hohe Alter bestehen.

Dieses Auswahlphänomen wird als Healthy-Athlete-Effekt bezeichnet. Er macht Mortalitätsstudien nicht wertlos, verändert aber die Frage, die sie beantworten können. Die Studien zeigen, dass ausgewählte Athletengruppen andere Überlebensmuster aufweisen als ihre Vergleichsbevölkerung. Meist lässt sich jedoch nicht genau trennen, welcher Anteil am Training liegt, welcher an günstigen Ausgangsbedingungen und welcher am Lebensstil nach der Karriere.

Ein Detail aus der Übersichtsarbeit über rund 165.000 Athleten ist besonders aufschlussreich: In zwei Studien, deren Kontrollpersonen nach militärischer Fitness ausgewählt wurden statt aus der Gesamtbevölkerung zu stammen, war der Vorteil der Sportler statistisch nicht eindeutig. Wählt man Vergleichspersonen, die den Athleten ähnlicher sind, kann der vermeintliche Vorteil also teilweise schrumpfen. [3]

Andere Verzerrungsquellen wirken in verschiedene Richtungen. Ein berühmter Sportler erscheint eher in einer biografischen Datenbank als ein weniger bekannter Zeitgenosse. Einträge aus unterschiedlichen Jahrhunderten sind nicht ohne Weiteres vergleichbar. Sportarten unterscheiden sich zudem hinsichtlich Verletzungsbelastung, typischen Körpermaßen sowie der Möglichkeiten, nach dem Karriereende aktiv zu bleiben. Schon die Aufnahme in eine Elitekohorte setzt außerdem voraus, dass die Betroffenen ein bestimmtes Alter erreicht haben. Auch das kann eine Auswahl von Überlebenden erzeugen.

🧭 Der entscheidende Unterschied

Drei Fragen werden oft vermischt: Welche Athleten erreichen ein höheres dokumentiertes Lebensalter? Wie viel länger hätten dieselben Menschen gelebt, wenn sie anders trainiert hätten? Und welche Sportart sollte jemand wählen, der kein Spitzensportler ist? Die erste Frage lässt sich mithilfe von Kohorten teilweise beantworten. Die zweite erfordert wesentlich stärkere Kausalevidenz. Für die dritte sind Studien mit Freizeitsportlern am hilfreichsten.

Was das für Freizeitsportler bedeutet

Für Menschen, die einfach gesund und aktiv bleiben möchten, sind andere Studien wesentlich hilfreicher. Oja und Kollegen werteten 2024 insgesamt 136 Veröffentlichungen aus 76 Studien aus mit etwa 2,6 Millionen Erwachsenen, die Freizeitsport betrieben. In ihren Metaanalysen waren Radfahren (HR 0,79), Laufen (HR 0,77) und Schwimmen (HR 0,76) jeweils mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden. Für einige Sportarten fanden sich außerdem Vorteile bei Herz-Kreislauf-Fitness, Blutdruck oder Körperzusammensetzung. [9]

Daraus lässt sich nicht ableiten, Schwimmen sei dem Laufen um einen Prozentpunkt überlegen. Die zugrunde liegenden Kohorten, die Definitionen sportlicher Aktivität und die Unsicherheiten unterscheiden sich. Beobachtungsdaten beweisen ebenso wenig, dass ein Wechsel der Sportart bei einer konkreten Person dieselbe prozentuale Risikoveränderung bewirken würde.

Kopenhagen: Warum Tennis scheinbar 9,7 Lebensjahre vorauslag

Ein besonders oft zitierter Befund stammt aus der Copenhagen City Heart Study. Die Forschenden beobachteten 8.577 Erwachsene bis zu 25 Jahre lang. In ihren statistisch angepassten Modellen lag die geschätzte Lebenserwartung im Vergleich zu sportlich Inaktiven bei Tennisspielern um 9,7 Jahre höher, beim Badminton um 6,2 Jahre, beim Fußball um 4,7 Jahre und beim Radfahren um 3,7 Jahre. Für Schwimmen ergaben sich 3,4 und für Joggen 3,2 Jahre. [11]

Eine beeindruckende Rangliste, aber kein Beweis dafür, dass Tennis das Leben um fast zehn Jahre verlängert. Nur 167 Teilnehmende gehörten zur Tennisgruppe. Die Studie berücksichtigte zahlreiche mögliche Störfaktoren, konnte aber Unterschiede bei Lebensumständen, Gesundheit und sozialem Umfeld nicht vollständig ausschließen. Die Forschenden diskutierten selbst, ob die sozialen Kontakte beim gemeinsamen Sport eine Rolle spielen könnten. Auch das bleibt eine Hypothese, kein nachgewiesener Mechanismus. [11]

Drei Schlagzeilen, drei verschiedene Messgrößen

Warum man die spektakulären Zahlen nicht einfach nebeneinander als „gewonnene Lebensjahre“ lesen darf, zeigt dieser Vergleich:

Metaanalyse · Spitzensport0,67 SMR

Beobachtete im Verhältnis zu erwarteten Todesfällen. Kein Wert in Lebensjahren. [3]

GeroScience · Stabhochsprung+8,4 Jahre

Biografischer Abstand zwischen Sterbealter und statistischem Referenzwert. Kein Kausaleffekt. [4]

Kopenhagen · Tennis+9,7 Jahre

Modellierte Differenz der Lebenserwartung gegenüber sportlich Inaktiven. Nicht experimentell nachgewiesen. [11]

Entscheidend: Diese Zahlen stammen aus unterschiedlichen Designs, Vergleichsgruppen und statistischen Verfahren. Sie lassen sich weder addieren noch als Rangliste der wirksamsten Sportarten ordnen.

Die Botschaft ist trotzdem klarer als jede Rangliste des Spitzensports: Mehrere sehr unterschiedliche Aktivitäten sind mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Bei der Wahl einer Sportart für viele Jahre zählen Freude daran, gute Erreichbarkeit, Verletzungsrisiken und die Chance dranzubleiben womöglich mehr als historische Ranglisten der Profis.

Aus der Untergruppe der Kraftsportler lässt sich nicht schließen, dass Krafttraining der Gesundheit schade. Diese Gruppe umfasst ausgewählte Wettkampfdisziplinen und historische Kohorten, nicht jeden Menschen, der Gewichte hebt. Ebenso wenig lassen sich die NFL-Ergebnisse pauschal auf sämtliche Mannschaftssportarten übertragen. Entscheidend sind die konkreten Belastungen.

Wer nicht für eine Profikarriere trainiert, sondern für die eigene Gesundheit, hat mit einer langfristig machbaren Kombination aus Ausdauerbewegung, Krafttraining, Erholung und angemessener medizinischer Versorgung eine besser begründete Orientierung als mit dem Versuch, das Pensum eines Olympiasiegers nachzuahmen. Das ist eine praktische Schlussfolgerung aus dem Gesamtbild der Forschung, kein Trainingsplan, der in den hier untersuchten Sterblichkeitskohorten direkt getestet wurde.

Welche Sportler leben nun am längsten?

Die Studien zeigen bei zwei großen Gruppen von Spitzensportlern besonders häufig eine niedrigere Sterblichkeit als in der Allgemeinbevölkerung: bei Ausdauer- und Mannschaftssportlern. Welche einzelne Sportart hingegen tatsächlich die meisten Lebensjahre bringt, lässt sich aus den Daten nicht kausal bestimmen. Die auffälligen Werte für Stabhochsprung, Turnen und Sumo sind interessant; die Methode kann aber nicht bestimmen, was die Wahl einer dieser Sportarten ursächlich bewirkt.

Für die eigene Sportwahl geben die Ranglisten der Profis dagegen kaum Orientierung. Laufen, Radfahren und Schwimmen sind bei Freizeitsportlern allesamt mit einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Medaillen braucht es dafür nicht.

Eine Statistik kann zeigen, dass Sportler tendenziell länger leben. Eine andere, dass einige derselben Athleten einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Beides kann gleichzeitig stimmen. Lange zu leben, gesund zu bleiben und für jede einzelne Krankheit ein geringes Risiko zu haben, ist nicht dasselbe. Gute Sportwissenschaft hält sie auseinander.

Quellen und Methodik

Redaktioneller Ansatz: Dieser Artikel ist eine kritische narrative Synthese veröffentlichter Übersichtsarbeiten und Beobachtungskohorten, keine neue Metaanalyse. Stichprobengrößen, Vergleichsgruppen und untersuchte Endpunkte werden für jede Quelle getrennt ausgewiesen; nicht vergleichbare Ergebnisse werden nicht zusammengefasst. Die beiden redaktionellen Diagramme beruhen ausschließlich auf publizierten zusammenfassenden Kennzahlen: Das NFL-Diagramm zeigt SMR-Werte von 0,70 und 3,94 auf einer gemeinsamen Skala von 0 bis 4× (178 / 45,21 = 3,94 für neurodegenerative Todesfälle). Das Finnland-Diagramm zeigt berichtete Mediane und 95-%-Konfidenzintervalle auf einer beschrifteten, verkürzten Skala von 70 bis 82 Jahren. Die drei ergänzenden Zahlenkarten verdeutlichen Unterschiede zwischen den jeweiligen Messgrößen, ohne sie auf eine gemeinsame Skala zu übertragen. Es wurden keine neuen Daten auf Individualebene ausgewertet. Die Abbildungen wurden anhand der verlinkten Publikationen mit Stand Oktober 2026 geprüft; Zahlenunterschiede zwischen Studien dürfen nicht kausal interpretiert werden.

  1. Garatachea N et al. (2014). Elite athletes live longer than the general population: a meta-analysis. Mayo Clinic Proceedings. 42.807 Athleten.
  2. Lemez S, Baker J (2015). Do Elite Athletes Live Longer? A Systematic Review of Mortality and Longevity in Elite Athletes.
  3. Runacres A, Mackintosh KA, McNarry MA (2021). Health Consequences of an Elite Sporting Career: Long-Term Detriment or Long-Term Gain? Sports Medicine. 24 Studien mit 165.033 Athleten; Gesamtsterblichkeit: 23 Studien mit 164.833 Athleten.
  4. Sport and longevity: an observational study of international athletes (2024). GeroScience. 95.210 biografische Datensätze.
  5. Kettunen JA et al. (2015). All-cause and disease-specific mortality among male, former elite athletes: an average 50-year follow-up. British Journal of Sports Medicine.
  6. Sellers M et al. (2026, online 2025). Professional male English footballers of the 20th century had lower death rates than the general population. Science and Medicine in Football.
  7. Luster CB et al. (2026). Neurodegenerative mortality among National Football League Players. EClinicalMedicine.
  8. Nguyen VT et al. (2019). Mortality Among Professional American-Style Football Players and Professional American Baseball Players. JAMA Network Open.
  9. Oja P et al. (2024). Health Benefits of Different Sports: a Systematic Review and Meta-Analysis of Longitudinal and Intervention Studies Including 2.6 Million Adult Participants. Sports Medicine – Open.
  10. Luster CB et al. (2026). Neurodegenerative Disease Death Certification Among National Football League Players With Dementia. JAMA Network Open. Ausgewählte Stichprobe von Hirnspendern, n = 202; der Artikel wurde am 29. September 2026 korrigiert.
  11. Schnohr P et al. (2018). Various Leisure-Time Physical Activities Associated With Widely Divergent Life Expectancies: The Copenhagen City Heart Study. Mayo Clinic Proceedings. Prospektive Beobachtungskohorte mit 8.577 Personen; modellierte, nicht kausal gesicherte Unterschiede in der Lebenserwartung.